Reboarding - eine Spielart des Onboardings

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2020

Wiedereinstieg, interner Stellen- oder Projektwechsel: Wie Sie den Neustart und Wiedereinstieg im Unternehmen erfolgreich gestalten.

Unsere aktuelle Onboarding-Studie deckt auf: 94% der Unternehmen machen KEIN explizites Reboarding (3. Onboarding Studie der Haufe Group, September 2019)! Das ist verschenktes Potenzial, denn strukturiertes und umfassendes „Reboarding“ ist genauso nötig und wertvoll wie ein professionelles Onboarding.

Die drei Formen des Reboardings

Dabei gibt es viel mehr Reboarding-Fälle als man sich gemeinhin klarmacht, bei denen Unternehmen mit einer gut durchdachten Einarbeitung punkten können. Drei Formen des Reboardings können unterschieden werden:

  • Um- oder Restrukturierungen (z.B. neues Team oder neuer Job)
  • Krisen oder Rückkehr (z.B. Kurzarbeit oder Job bei anderem Arbeitgeber).
  • Job-Auszeiten (z.B. Elternzeit, Sabbatical oder Krankheit)

Hier wird oftmals davon ausgegangen, dass der Mitarbeiter ja bereits das Unternehmen kennt und ein strukturierter Onboarding-Prozess schlichtweg übertrieben oder überflüssig ist.

Das ist schade, denn bei einem missglückten Einarbeitungs-und Integrationsprozess sind die Kosten bei einer (Wieder-) Einstellung von intern nicht geringer als bei einer Einstellung von extern. Und der mögliche Imageschaden ist noch größer, da der Mitarbeiter bereits sehr gut im Unternehmen vernetzt ist und seine Enttäuschung ins Unternehmen und sein Umfeld trägt.

Reboarding #1: Reboarding nach Um- oder Restrukturierung

Bei internem Stellenwechsel wird das Onboarding häufig stark vernachlässigt, schließlich wird davon ausgegangen, dass der Mitarbeiter Prozesse im Unternehmen und vor allem auch die Unternehmenskultur kennt und verinnerlicht hat. Das ist einerseits natürlich richtig, andererseits ist es aber so, dass gerade in großen Unternehmen und Konzernen sich die Strukturen je nach Bereich stark unterscheiden. Jedes Team hat seine eigene Teamkultur und mit jedem neuen Teammitglied beginnt die Teamfindung erneut.

Häufig ist es bei intern versetzten Mitarbeitern auch so, dass sie weniger bereit sind oder schlichtweg Hemmungen haben, Fragen zu stellen, da sie ja per se schon alles wissen (sollten). Das erschwert den Reboarding-Prozess und erfordert besonderes Fingerspitzengefühl von allen Beteiligten.

Im Vordergrund des Onboardings-Prozesses steht bei einem internen Wechsel die soziale Integration in das Team und die fachliche Einarbeitung. Hier kann der Vorgesetzte einen Teil der Onboarding Maßnahmen optimal an den neuen Mitarbeiter bzw. an das gesamte Team delegieren. Es liegt also mehr Verantwortung beim Mitarbeiter selbst - das unterscheidet das Reboarding eines internen Wechslers vom Onboarding eines neuen Mitarbeiters maßgeblich.

Ein weiterer Sonderfall ist das Reboarding wenn der ehemalige Kollege erstmals eine Führungsfunktion übernimmt. Hier kann viel schieflaufen und es ist umso wichtiger, dass dem Reboardee ein Mentor mit Rat, Tat und Einfühlungsvermögen in das Team zur Seite steht.

Reboarding #2: Reboarding ehemaliger Mitarbeiter (Krisen oder Rückkehr)

In diesem Fall wird davon ausgegangen, dass der frühere Kollege das Unternehmen und evtl. sogar die Tätigkeit bereits kennt. Aber hier ist Vorsicht geboten, denn Jobprofile, Abläufe und Team-/Unternehmenskultur verändern sich oft sehr schnell. Und während diese Veränderungen für Interne kaum bemerkbar sind, so sind für Wiedereinsteiger doch erhebliche Unterschiede spürbar.

Außerdem: Sollte ein ehemaliger Mitarbeiter nicht durchweg „im Guten“ gegangen sein, können auch Altlasten den Reboarding-Prozess stören. Daher ist es sinnvoll, bei einer Wiedereinstellung nochmal zu prüfen, welche Gründe den Mitarbeiter damals zu einem Jobwechsel bewegt haben.

Reboarding #3: Reboarding nach Job-Auszeiten (Wiedereinstieg nach längerer "Pause")

Nicht nur angesichts des Fachkräftemangels ist Reboarding bzw. ein strukturierter Wiedereinstieg auch nach der Elternzeit, Entsendung, Sabbatical oder nach einer längeren Krankheit eine lohnenswerte Maßnahme. Professionelles Reboarding erhöht generell die Zufriedenheit und die Wahrscheinlichkeit, qualifizierte Mitarbeiter endgültig zu verlieren, sinkt.  Denn je nachdem, wie lange der entsprechende Mitarbeiter „weg“ war, kann sich auch für Rückkehrer einiges im Unternehmen/Team aufgrund einer Restrukturierung o.ä. verändert haben.

Damit der Wiedereinstieg eines Rückkehrers erfolgreich verläuft, gilt es abzuklären:

  • Wie geht es dem Rückkehrer mit der neuen Lebens- und Arbeitssituation?
  • Was hat sich verändert und muss bei der Wiedereingliederung berücksichtigt werden?
  • Wo sind eventuell noch Unsicherheiten da und wie können diese behoben werden?
  • Müssen Aufgaben neu- oder umverteilt werden? Lauern hier potenzielle Konflikte?
  • Wo benötigt der Rückkehrer noch Unterstützung?

Wichtig: Vorbereitendes Reboarding-Gespräch

Anlässe wie Elternzeit oder ein Sabbatical ermöglichen es den Beteiligten, den Reboarding-Prozess bereits VOR Austritt zu planen. Es sollte im vorbereitenden Reboarding-Gespräch mit dem Reboardee geklärt werden, wann der Reboarding Prozess angestoßen wird und in welchem Umfang Informationen und Beteiligung am Unternehmen (z.B. Workshops, Events, Mailverteiler etc.) während der Auszeit fortgeführt werden. Darüber hinaus kann auch überlegt werden, ob während der Auszeit Weiterbildung erfolgt – es kann durchaus gerade bei längerer Elternzeit die Rückkehr enorm erleichtern, wenn der Kollege zwischendrin „am Ball bleibt“. Ein solches Gespräch gibt dem Mitarbeiter vor der dem „Ausscheiden“ eine Perspektive bzw. ein gutes Gefühl.

Generell können Unternehmen einiges dazu beitragen, Arbeitsplätze für Rückkehrer attraktiv zu gestalten. Damit beispielsweise wertvolle Mitarbeiter durch eine Babypause nicht verloren gehen, können Unternehmen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, Home office Angeboten oder einem Platz im Betriebskindergarten gegensteuern.

Insgesamt gilt, dass einem Reboardee die gleiche Aufmerksamkeit zusteht, wie einem Onboardee. Denn beide Personengruppen sind auf anfängliche Unterstützung besonders angewiesen, da sie entweder in einem neuen Umfeld anfangen und/oder mit neuen Aufgaben konfrontiert sind.

Ebenfalls interessant für Sie: Unsere Reboarding Infografik die Ihnen ausführlich das ganze Thema Reboarding aufzeigt.

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